Montag, 15. Oktober 2012

Was blüht uns denn heute?

Sonnenhut
Im Kleinstgarten geht nun die Saison zu Ende. Die meisten Kübelpflanzen, Kakteen und Sukkulenten haben schon ihren Platz in Wohnung und Treppenhaus gefunden. Bisweilen war ein beherzter Rückschnitt nötig, um die üppig gewachsenen Pflanzen wieder wohnungskompatibel zu machen.
Draußen steht nun nur noch, was entweder leichten Frost verträgt oder aber noch so toll blüht, dass ich es einfach noch nicht einräumen will. Ganz besonders schön blühen derzeit die im Frühjahr gekauften Fuchsien mit zahlreichen üppigen Blüten in rot, weiß, blau und violett. Auch die drei Schönmalven sind noch voller gelber, roter und gelbroter Blüten. Der Hibiskus, der schon drinnen steht, ist voller Knospen und wird den ganzen Winter über mit seinen Blüten erfreuen. Das kleinblütige Pelargonium ist ebenfalls noch voller Blüten und erfreut uns im Treppenhaus.
Fuchsie "Erika Frohmann"
Von den Ausdauernden oder Einjährigen blühen in leuchtendem Gelb die Sonnenhüte, in Blau die Astern und auf dem oberen Balkon steht auch noch eine der stolz schwebende Verbenen mit ihren filigranen blau-violetten Blüten. Außerdem blühen noch einige Agastachen in orange und in blau, weiße und rote Löwenmäulchen, gelber Lerchensporn sowie Lobelien in verschiedensten Schattierungen von weiß bis blau. In warmen Rot- Gelb und Orangetönen blüht die Kapuzinerkresse und an der Wand ranken sich violett blühende Winden nach oben. Vereinzelt blühen auch noch ein paar Wicken. Auf dem vorderen sonnigen Fensterstock steht ein Kasten voller Portulakröschen, die in vielerlei leuchtenden Farben um die Wette blühen. Im Kräuterkorb blüht noch ein wenig Dill, die Rosen sind noch voller leuchtend roter Hagebutten.
Hoffen wir, dass uns all die schönen Blüten noch ein wenig erhalten bleiben, ehe der erste Frost alles kaputt macht und auch die letzten Kübelpflanzen ins Haus müssen!

Sonntag, 7. Oktober 2012

Feine tschechische Küche in Marienbad


Auf Grund des beschränkten Zeitbudgets des Autors gibt es vom Wochenende in Marienbad nur ein ganz kurzes Feedback.
Marienbad ist ein schöner Ort, viele herrliche Villen rund um den Kurpark, ein angenehmes kleines Städtchen, ganz im Gegenteil zu seinem Vetter Karlsbad, welches uns vergleichsweise eher zu groß, teils sehr hässlich und so gar kein bißchen mondän erschien.
Marienbad dagegen ist angenehm, der schöne Park und das nette Umland mit vielen überraschend spektakulär rot und gold gefärbten Ahornen tun ein Übriges.
Zum Vormerken fürs nächste Mal: beim Kaffee im Swiss House fühlten wir uns sehr wohl, aber es gibt auch noch viele andere interessante Häuser beim Vorbeigehen, etwa Villa Regent, Villa Sant Georg, Saint Antonius oder das San Remo. Unser Hotel (La Passionara) ist dagegen vergleichsweise einfach, aber dennoch ok und punktet durch riesige Zimmerlandschaften - so großzügig wohnt mancher zu Hause nicht!
Das Highlight des Aufenthaltes ist aber zweifelsohne das Essen am Abend im U Zlaté Koule, welches sich bescheiden Nationalrestaurant oder sogar Nationales Gourmetrestaurant nennt. Hier gehen böhmische, österreichisch-ungarische und internationale Küche eine feine Allianz ein. Mein Hauptgericht war ein sehr gutes Wildschweinragout mit Nockerln. Zuvor gab es eine leckere Gänseleber und auch die werten Mitreisenden waren mit ihren Speisen sehr zufrieden. Damit wäre bewiesen, dass Tschechien und gutes Essen keine Feinde sein müssen! Besser noch, auch die tschechischen Weine, die es dazu gab, müssen den Vergleich mit anderen Regionen nicht scheuen, der mährische Rotwein (Tanzberg) war ganz vorzüglich, ebenso toll war ein heimischer Strohwein zum Dessert.
Einzig Russen im Trainingsanzug wirken etwas fehl am Platze bei so einem Essen - aber damit muss man in Marienbad wohl leben und vermutlich wäre der Ort ohne die Russen auch nicht das Kleinod, das er jetzt ist.
Hier gibt es weitere Bilder von diesem schönen Wochenende.

Mit den Rosa Löwen durch die Anhaltinische Provence

Wandern mit den netten Menschen von den Löwen stand schon lange auf der Agenda und nachdem wir in Rabenberg schon x-mal drüber geredet hatten, war es nun endlich so weit. Das Thema der Wanderung klang vielversprechend: "Zu Fuss durch die Sachsen-Anhaltinische Provence"!
Irrweg I

So mieteten wir uns in Leipzig bei Micha (ein großartiger Gastgeber!) ein und fanden uns am Morgen des Tages der Deutschen Einheit ca. 1 Minute vor Abfahrt der S-Bahn auf dem Leipziger Bahnhof ein und wurden in einen Waggon gewunken wo wir auf eine große Zahl Löwen beiderlei Geschlechts stießen, darunter sogar richtiges Vereinsurgestein! Flugs waren wir in Halle, welches sich rund um Bahnhof und Busbahnhof von seiner hässlichsten Seite zeigte. Das wurde auch auf der anschließenden Busfahrt durch die Weiten von HaNeu nicht besser. Kurz nach Halle begann die Steppe, verendete Tiere auf Stoppelfeldern ließen schlimmste Befürchtungen aufkommen. Das Land der Frühauftsteher - na super! Inmitten der Pampa spuckte uns der Bus aus, nahe bei Langenbogen, welches wir sodann zu erreichen versuchten. Dies schlug jedoch gründlich fehlt und wir irrten fast eine Stunde umher, um schließlich kurz vor Erreichen der Zivilisation von einem deutlich zu früh aufgestandenen und wenig entspannten Eingeborenen  zurück in die Pampa geschickt zu werden. Man meide die DC-Ranch in Langenbogen weitläufig.
Irrweg II

Wie auch immer, irgendwann waren wir auf dem rechten Weg und liefen durch das schöne Salzatal mit seinen Muschelkalkhängen und Weinbergen. Der großen Zahl an Besen- und Straußenwirtschaften konnten wir nicht lange widerstehen und fanden uns bald auf einer schönen Wiese unter Obstbäumen wieder. Es wurde Federweißer kredenzt, dazu gab es lecker Picknickkuchen, Brot, Wurst und Käse von Micha sowie weitere Leckereien diverser Mitwandernder. Toll!
Weiter ging es bei Höhnstedt mit Weinbergen, vorbei an ungezählten Wirtschaften durch eine Landschaft mit der ich an dieser Stelle wirklich nicht gerechnet hätte. Provence oder Toskana können fern bleiben, wir fahren jetzt nur noch nach Anhalt! In einer weiteren Besenwirtschaft, die vom Ansturm der Besucher dezent überfordert war, gelingt es uns, weiteren Federweißen in uns zu füllen und so langsam frage ich mich, ob das eine Wanderung oder ein Gelage werden soll.
Federweiße Leichtigkeit

Aus Gründen die sich mir nicht erschlossen, tauchte aber plötzlich Ehrgeiz auf und die folgenden 15 Kilometer bis Eisleben wurden mit hoher Geschwindigkeit und ohne jede weitere Ablenkung zurückgelegt. Auf dem Weg vorbei an Seeburg folgte weiteres schönes Hügelland und schließlich Eisleben. Eisleben ist so wie viele ostdeutsche Kleinstädte, hübsch, aber tot. Nach allerlei Hin und Her finden wir eine Wirtschaft am Markt, die sich rückblickend als gar nicht so schlecht erwies. Schnell steigen Pegel und Stimmung und auf der Rückfahrt nach Halle und Leipzig unterhalten wir nicht nur uns bestens, sondern auch ein ganzes Zugabteil. Gern wieder!
Die nächste Wanderung mit den Löwen wollen wir im Frühjahr in Chemnitz machen, dann heisst es "Auf alten Gleisen durch Chemnitz", so ähnlich wie hier. Auch ein Wanderwochenende im Zittauer Gebirge ward angedacht - mal sehen, ob das was wird!
Land der Frühaufsteher oder Provence?

Bilder dazu gibts hier.

Sonntag, 23. September 2012

Party beim Rob - Besuch in der Anhaltinischen Steppe


Rob und Carla hatten nach Wolfen zum Sommerendfest geladen, und trotz einer Konkurrenz von zwei weiteren Partys folgten wir dem Ruf ins Land der Frühaufsteher. Auf dem Hinweg lernten wir dank diverser Umleitungen weite Teile Mittelsachsen kennen, kamen aber trotzdem noch rechtzeitig zu einer Führung nach Ferropolis. Die Führung bereuten wir allerdings schon wenig später, man erging sich in Belanglosigkeiten und die tollen Bagger die da rumstanden kamen für unseren Geschmack etwas zu kurz. 
Nach einer halben Stunde Leiden setzten wir uns von der Gruppe ab und erkundeten den imposanten Gerätepark auf eigene Faust - eine tolle Landschaft mit eisernen Riesen! Leider kann man nur eines dieser Tagebaugeräte tatsächlich begehen. In dieser Hinsicht war die F60 deutlich spektakulärer. Sehenswert ist Ferropolis dennoch.
Von Ferropolis nach Wolfen geht es durch eine merkürdige Landschaft, der man teils noch ihre industrielle Vergangenheit, aber auch das Fehlen einer Zukunft ansieht. Die Natur wirkt teils etwas verdorrt, man fühlt sich ein wenig wie in der Steppe.
Schließlich kommen wir nach Wolfen - zumindest der Teil, den wir auf dem Weg zum Rob sahen, war wenig sehenswert, ein irgendwie sehr diffuses Stadtbild, wie man es in den Industriefolgelandschaften des Ostens öfter sieht.
Bei Rob angekommen, wurden unsere Befürchtungen wahr, trotz elender Kälte gedachte man draußen zu feinern. Immerhin war ein Feuerkorb zu sehen. Wohl nicht zuletzt dank Robs Mutter gab es leckeres Essen in großen Mengen. Und natürlich waren da zahlreiche nette Menschen. So manchen hatte man schon ewig nicht gesehen, Abrax zum Beispiel, der mit silbergrauer Haarpracht überraschte. Als dann diverse Feuer brannten war die Kälte vergessen und das Bier tat sein Übriges - ein feiner Abend!

Anderntags gab es noch ein schönes Frühstück im Garten bevor wir uns nach Wörlitz aufmachten, um den dortigen Park zu besuchen. Der Wörlitzer Park wird seinem Ruf gerecht und man kann eigentlich nur Superlative verwenden. Die perfekte Einbettung in die weite Landschaft der Elbauen, die Mischung aus Kulturlandschaft und gestalteter Landschaft, Natur, Äcker und schöne Pflanzungen dicht beisammen geben immer wieder spannende Kontraste.



Nach fast drei Stunden herumlaufen hatten wir vieles, aber noch immer nicht alles gesehen. Hier kommen wir gern noch mal her! Neben dem Wörlitzer Park gibt es noch weitere Landschaftsparks im Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das Bauhaus in Dessau und natürlich die spektakuläre Landschaft des Biosphärenreservates Mittleres Elbtal zu entdecken. Da kann man sich bestimmt leicht mal ne Woche vertun.

Noch mehr Bilder gibts hier.

Freitag, 21. September 2012

Rieslingsuppe und Paprikalamm

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Heute war Zeit, zum Planen, zum Einkaufen und auch zum Kochen. Folglich gab es mal wieder ein großes Menü!
Los geht's mit einer Rieslingsuppe nach einem Rezept im Wochenmarkt der ZEIT. Ich nehme die Hinweise des Autors ernst und suche nach einem feinherben Riesling von der Mosel und werde auch in der Tat im Kaufhof fündig mit einem Riesling vom Weingut Selbach-Oster (Mosel) 2011. Ansonsten folge ich dem Rezept und es entsteht wirklich ein tolles Süppchen. Die Lauchcroutons sind dabei das Tüpfelchen auf dem i. Das Ganze ist quasi eine dekonstruierte Käse-Lauch-Suppe. Sowohl Suppe also auch Croutons funktionieren übrigens hervorragend mit einem jungen aber schon recht aromatischen Gouda. Dazu gibts natürlich ein Gläschen von besagtem Riesling.
Als Hauptgericht kommt Lamm mit Paprika auf den Tisch. Inspiriert wurde das Ganze von einem Essen vor einiger Zeit in der Vinotheque, wo man gar köstliches geschmortes Rind mit Paprika servierte. Hier also Lammkeule, in grobe Stücken geschnitten. Die Stücken werden scharf angebraten. Dazu kommt reichlich Paprika und Zwiebel. Nachdem all das ein wenig Farbe bekommen hat, folgen vollreife Tomaten, ein paar getrocknete Tomaten, eine Prise Zimt, einige Knoblauchzehen und eine Handvoll getrocknete Datteln in Stücke geschnitten. All das köchelt nun gut zwei Stunden und wird immer wieder mit Rotwein abgelöscht während es zwischendurch auch mal ein bisschen rösten darf. Schließlich wird die Soße durch ein Sieb gegeben und das Fleisch kleingeschnitten sowie von Häuten und Fett befreit. Dazu kommt eine Handvoll Paprika, die noch eine halbe Stunde mit dem Fleisch köchelt. Ganz am Ende kommt noch etwas Petersilie dazu. Natürlich steht und fällt das Essen mit dem Aroma vollreifer roter Paprikaschoten, die ich heute beim Lommatzscher Gemüsemann auf dem Markt gekauft habe - natürlich frisch aus der Region. Schließlich werden hausgemachte Semmelknödel, die sich noch im Tiefkühler fanden, in Scheiben geschnitten und in Butter gebraten. Zusammen mit dem Lamm ein wunderbares Hauptgericht! Der Wein, der auch schon am Lamm ist, kommt aus dem Bordeaux (Le Parc de Château Béard, Saint Emilion, 2006) und schmeckt ganz vorzüglich dazu. Übrigens ein Geschenk vom Easy von 2010 - wird Zeit, dass der weg kommt ;) 
Schließlich folgt ein Dessert, ein schlichtes aber sehr leckeres Apfel-Crumble, mit den schönen, leicht säuerlichen Äpfeln, die ich heute im Garten geerntet habe. Quasi nichts als ein Apfelkuchen mit Streuseln ohne Boden. Dazu schmeckt wiederum der Riesling und so schließt sich der Kreis ...

Dienstag, 18. September 2012

Gutscheine verfressen

Gerade rechtzeitig vor Beginn der nächsten Beschenkungsrunde arbeiten wir erst mal die letzte auf, und gehen ins Alexxanders um da einen Gutschein einzulösen. Natürlich möchten wir die Schenkenden an diesem Festmahl teilhaben lassen und deshalb gibt es hier einen Bericht, auf dass man sich Appetit hole:
Als Appetizer kam ein kleines Häppchen lecker Lachs mit einer feinen Kürbismousse. Edles Olivenöl im Schälchen zu Brot und Salz scheint mittlerweile zum Standard zu werden, das gabs auch in der Vinotheque die letzten Male. Schön, dass es die Vorspeisen und Hauptgänge oft auch als kleine Portion gibt, so passen die Mengen perfekt für vier Gänge. Natürlich essen wir auch immer vom Teller des Anderen, so dass das viergängige Menü quasi zum achtgängigen wird. Ich könnte mir ohnehin sehr gut auch ein Menü aus zig kleinen und geilen Häppchen vorstellen.
Wir begannen zur Abwechslung mal mit den Suppen: Pastinaken-Süppchen mit pochierten Kalbsklößchen/Süppchen vom Hokkaidokürbis. Beide waren erwartungsgemäß sehr lecker, das Kürbissüppchen mit Kürbiskernöl und gerösteten Kürbiskernen lag im Vergleich knapp vorn.
Dann kamen die Vorspeisen: Gebratener Octopus auf Fenchel-Tomaten-Salat/Hokkaido-Kürbis-Mousse mit mariniertem Rucola und karamellisiertem Ziegenkäse. Der Octopus und seine Unterlage waren sehr fein, wenngleich für meinen Geschmack etwas zu intensiv gewürzt. Zum Ausgleich war dafür der Ziegenkäse etwas zu blass gegen den intensiven Ruccola und die Mousse. Mehr vom Karamel hätte dem Käse gut getan. Schlecht war's freilich nicht.
Die Hauptgerichte haben jeweils ein schönes Stück Fleisch im Zentrum: Rosa gebratenes Rinderfilet mit Portwein-Schalotten, Kartoffelstampf und Balsamicojus/Geschmortes Ochsenbäckchen auf gelben- und rotem Betepüree an buntem Möhrengemüse. Auch hier wieder beides sehr sehr gut, das Filet war aber echt nahe an perfekt und gewinnt den Vergleich. Dass die Ochsenbäckchen unglaublich zart geschmort waren, müsste eigentlich fast nicht erwähnt werden, wenn wir das nicht schon anderswo deutlich schlechter gehabt hätten. 
Zum Dessert gab es dann noch: Zweierlei Crème brûlée und Joghurt-Krokant-Eis/Französische Käsevariation mit Früchten und Chutneys. Die Käse waren super, darunter einige ganz wunderbar sahnig-cremige, die beiden Crèmes waren aber auch nicht übel, ich persönlich fand die Schokovariante besser.
Dazu kamen ein Cremant-Rose als Aperitif, ein schöner italienischer Rotwein und ein süßer Wein zum Dessert. Natürlich reichte der Gutschein für alle diese Sachen nicht, aber er half deutlich beim Bezahlen ;)
Insgesamt ein ganz tolles Menü, wir haben lange nicht mehr so gut gegessen. Damit hat das Alexxanders mal wieder souverän gezeigt, dass es auf jeden Fall zu den Top 3 von Chemnitz gehört. Ich mag die drei (mit Vinotheque und Esche-Villa) auch gar nicht weiter vergleichen, jedes dieser Restaurants ist auf seine Weise sehr gut und in keinem wurde ich bisher enttäuscht. Leider kann man das ja nicht von allen sagen kann, die von sich meinen, in Chemnitz an der Spitze zu liegen.

Samstag, 15. September 2012

Wandern durchs Elbi mit ganz vielen Stiegen



Rast auf dem Lilienstein
Der eine oder andere wird sich ja gefragt haben, was diese komische Kalendereinladung sollte, die von mir versehentlich an die halbe Welt, bzw. das was wir dafür halten, geschickt wurde. Hier nun die Auflösung.
Wir waren also letztes Wochenende kreuz und quer durchs Elbi unterwegs. Los ging es Donnerstag abend mit der Bahn von Chemnitz nach Schmilka von wo wir noch einen kurzen aber knackigen Aufstieg zum großen Winterberg, unserem ersten Quartier zu absolvieren hatten. Das sogenannte Berghotel Großer Winterberg liegt mitten im Wald und bietet eher Jugendherbergs- als Hotelniveau. Nichtsdestotrotz ein schönes Quartier, denn lecker Essen, freundliches Personal, Begrüßungssekt (!), lecker Bio-Bier und ein entspannter Plausch mit dem Chef lassen den Aufenthalt angenehm werden.
Zugang zur Starken Stiege
In der Häntzschelstiege
Am nächsten Tag haben wir es gar nicht weit zu unserem Tagesziel, den Affensteinen. Denen rücken wir mittels der Ultimativen Stiegentour tagesfüllend auf die Pelle. Diese Tour sei nur trittsicheren und schwindelfreien Wanderern empfohlen (vor allem der letzte Teil ab der Starken Stiege). Vom großen Winterberg bewegen wir uns Richtung Carolafelsen, genießen noch kurz die Aussicht und schon gehts los, die Wilde Hölle hinunter. Das ist zwar noch ein markierter Wanderweg, der aber auch schon ein paar schöne Kraxelstellen bietet. Am Fuße der Felsen angekommen halten wir uns hart rechts (Bergunsgbox) und folgen einem unmarkierten aber gut erkennbaren Pfad, der immer am Fuß der Felsen bleibt. Bald stoßen wir auf den Beginn der Zwillingsstiege und das muntere Stiegenklettern kann beginnen. Die fetzige Zwillingsstiege führt auf  die obere Affensteinpromenade, der wir nach links bis zum Beginn des oberen Teils der Häntzschelstiege folgen. Diese beginnt spektakulär in einem sehr sehr schmalen Felspalt, durch den man sich erst zwängen muss, bis man eine etwa 10 m hoch führende Leiter erreicht. Luftig klettern wir im Spalt rum und ruck zuck sind wir oben, suchen uns einen schönen Aussichtspunkt und schauen dabei weniger geschickten Wanderern zu. Weiter gehts zur Heiligen Stiege, einer sehr sehr langen Treppenanlage, die wir am unteren Ende wiederum auf einem unmarkierten Weg nach rechts verlassen. Wir befinden uns nun auf dem mittleren Terassenweg, einem schmalen und teils recht luftigem Bergpfad, der mit vielen grandiosen Aussichten um die Felsen herumführt. Wir treffen auf den Bergpfad Rotkehlchenstiege (grüner Pfeil), dem wir wieder nach oben folgen. Oben angekommen verlassen wir gleich wieder nach links den markierten Weg und folgen dem oberen Terassenweg, der uns wiederum auf konstanter Höhe um die Felsen herumführt, bis wir auf den Einstieg in die Starke Stiege treffen (sehr markantes Felsgebilde). Diese geht es nun wieder abwärts, was ich recht anspruchsvoll finde, die letzten paar Meter nach unten sind sehr luftig und man sieht beim Runterklettern immer nicht so recht, wo man hintreten kann.  Die Starke Stiege führt uns in den wunderschönen Rauschengrund, dem wir bis zum Elbleitenweg folgen. Den Elbleitenweg gehen wir nach links (nach wenigen Metern zweigt links der Bergpfad Rotkehlchenstiege ab), bis wir  auf den markierten Weg in den Heringsgrund treffen, dem wir nach links folgen. Nach etwa 5 Minuten verlassen wir den Weg, der zur Heiligen Stiege führt, nach rechts auf einem Kletterzugang (Schild "Kletterzugang, kein Wanderweg").  Dieser Weg führt uns zunächst zu einer Boofe, wir sehen die Markierung "R" und halten uns erst rechts und dann links, der Markierung Kletterzugang folgend. Und dann stehen wir vor der Mutter aller Stiegen, der Rübezahlstiege. Nach etwa drei Meter freiem Klettern helfen ein paar Eisen auf dem weiteren, dennoch recht luftigen Kletterweg über einen Felsrücken. Dann kommt auch schon gleich das Highlight der Tour, die Höhle, durch die wir uns senkrecht kletternd zwängen um schließlich durch ein enges Loch in der Höhlendecke wieder ins Freie zu finden. Und das wars auch schon, kurz, knackig, geil! Durch den Wald geht es zurück auf markierte Wege, zum Abschluss nehmen wir noch Frienstein und Idahöhle mit, um ebenda noch ein wenig zu faulenzen, bevor es auf bekannten und vergleichsweise wenig spektakulären Wegen zum nächsten Quartier nach Ostrau geht. Hinter uns eine tolle Tour in den Affensteinen, mit nicht weniger als 7 Stiegen und diversen Panoramawegen. Bei der Orientierung auf den oftmals unmarkierten Wegen hat uns die Wanderkarte Schrammsteine-Affensteine von Dr. Rolf Böhm geholfen. Beschreibungen der einzelnen Stiegen findet man im Netz.

In Ostrau übernachten wir sehr gemütlich im Zschiehädelhof. Durch den schönen kleinen Ort geht es am Samstag hinunter ins Kirnitzschtal, dem wir sehr sehr lange folgen. Der Weg am Fluß (Flößersteig) überrascht mit einigen unerwarteten Klettereinlagen, die aber alle gut gesichert sind. Das Kirnitzschtal verlassen wir beim Tiefen Hahn, dem wir hoch nach Ottendorf folgen. Auf einer ruhigen Straße geht es nun hinüber nach Sebnitz, oftmals bieten sich tolle Fernsichten auf die Hintere Sächsische und Böhmische Schweiz, die Affensteine und die Schrammsteine. In Sebnitz gibts am Markt leckeren Kuchen und Eis. Für den weiteren Weg ward der Sebnitztalweg ausgesucht. Bis Ulbersdorf ist der Weg auch recht schön, einen winzigen, alten und verblichenen Zettel an einer Wegmarkierung, auf dem etwas von fehlenden Brücken steht, ignorieren wir zunächst, was sich als Fehler herausstellen wird. Kurz nach Ulbersdorf stellen wir fest, dass der Weg sich recht wirr verläuft. Nach kurzer Suche stellen wir fest, dass der Weg sehr wohl weiter geht - aber auf der anderen Flußseite. Da war doch was ...
Über den weiteren Verlauf schweigen wir besser, jedenfalls fehlten noch etliche Brücken und das Wandern auf befahrenen Bahnstrecken ist bekanntlich auch nicht so die reine Freude. Erst beim Haltepunkt Mittelndorf finden wir wieder auf den rechten Weg zurück. An der nächsten Wegmarkierung finden wir dann auch große Hinweisschilder, die erläutern, dass bei einem Hochwasser im August 2010 etliche Brücken weggespült wurden. Dazu gibt es sogar eine Karte, die die fehlenden Brücken anzeigt. Allerdings ist auch diese nur mäßig aktuell, denn mindestens eine der dort als fehlenden angezeigten Brücken stand schon im Herbst 2011 wieder. Für eine Touristenregion dieser Klasse ist das Fehlen aktueller Informationen zum Wegezustand schon ein ganz schönes Armutszeugnis.
Wie auch immer, weiter geht es, durch diverse Umwege und Wegsuche haben wir allerhand Zeit verloren und bis zur nächsten Unterkunft ist es noch ein Stück. Beim Ort Kohlmühle verlassen wir das Sebnitztal und folgen dem schönen Weg durch den Kohllichtgraben, den wir schließlich Richtung Waitzdorf verlassen. In der Dämmerung erreichen wir das wunderschön inmitten von Wiesen gelegene Dorf und auch unser Quartier,  die Waitzdorfer Schänke. Nach freundlichem Empfang gibt es die verdiente Stärkung und wir schlafen nach dieser recht anstrengenden Tour schon nach recht wenigen Bier sehr bald und sehr tief.
Anderntags geht es durch eine schöne Schlucht steil hinab in den Tiefen Grund und gleich ebenso steil wieder hoch, zur Brandaussicht. So toll diese Aussicht über weite Teile der Sächsischen  Schweiz auch ist, so ätzend ist der Auftrieb dort, so dass wir schnell wieder das Weite suchen und durch den ebenfalls sehr schönen Schulzengrund ins Polental absteigen. Auch das verlassen wir bald wieder, um hinauf nach Waltersdorf zu laufen. Durch den schönen Ort führt uns der Weg zum Lilienstein, den wir über den Nordaufstieg erklettern. Die vielen Leute lassen Schlimmes ahnen, aber glücklicherweise verlaufen sich die Massen auf dem Gipfelplateau und wir finden etliche halbwegs ruhige Aussichtsplätze. Die Aussicht ist grandios, zu unseren Füßen liegt das Elbtal mit dem Ort Königsstein,  eine Landschaft wie auf der Einsenbahnplatte, nur dass all die kleinen Häuschen, Züge, und Dampfer echt sind. Man sieht weit ins Land und auf der anderen Seite des Liliensteins auch noch bis zur Bastei und den angrenzenden Felsen. Überraschend gut auch die Gastronomie, mal nicht das übliche Junkfood sondern eine schöne Auswahl von Gerichten, die alle sehr ansprechend klingen und offenbar auch schmecken.

Vom Lilienstein geht es über den Südaufstieg recht schnell hinunter nach Königstein, wo wir in den Zug steigen, der uns wieder heimwärts bringt. Zumindest bis Freiberg ist die Rückfahrt entspannt, dort steigt allerlei Volk zu, welches sich auf dem Tag der Sachsen rumgetrieben hatte. Ich liebe es, wenn meine Vorurteile bestätigt werden ...
In Chemnitz gibt es beim Michaelis noch ein lecker Eis und wir denken noch mal zurück an drei tolle Tage im Elbi.
Tracks [Aufstieg Winterberg] [Stiegentour] [Kirnitzschtal und Sebnitztal (letzter Teil fehlt)] [Lilienstein]
Bilder dazu gibts hier.